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Tunnelsystem

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Der Tunnel führte weit in den Berg hinein. Wie weit, das konnte er nicht erkennen, denn so hell das Sonnenlicht an diesem wolkenlosen Sommertag auch war, so wenig reichte es in den Tunnel hinein. Das erstaunte ihn, denn zwar waren die Wände dunkel – der Tunnel war in Schiefergestein gegraben –, aber ein wenig weiter hinein sollte man doch eigentlich schon sehen können.

Na gut, wir werden sehen, dachte er sich, machte seine Taschenlampe an und trat in den Tunnel, der völlig gerade, wie mit dem Lineal gezogen, in den Berg führte. Er merkte, dass die Wände das Licht der Taschenlampe immer schwächer zurückwarfen. Das war sicher nicht mehr Schiefer. Da hatte jemand wohl absichtlich die Wände geschwärzt. Das hatte wohl einen Grund, also war er auf dem richtigen Weg. Und trotz der dunklen Wände bestand keine Gefahr, er konnte sich ja hier schlecht verlaufen, und zudem konnte er beim Blick zurück noch immer den Lichtschein des Tunneleingangs erkennen.

Nach etwa hundert Metern konnte er die Tunnelwand nicht mehr sehen; anscheinend war sie so perfekt schwarz, dass sie das Licht nicht zurückwarf, zumindest nicht stark genug, dass man es hätte sehen können. Auch der Boden hatte diese Eigenschaft. Abgesehen vom nun nur noch schwachen Licht hinter ihm war nichts mehr zu erkennen. Auch seine Taschenlampe war praktisch wirkungslos; nur seinen eigenen Körper erhellte sie noch.

Er fasste an die Tunnelwand, um sich zu vergewissern, dass da wirklich noch eine Wand war. Er spürte einen pulvrigen Belag. Ein wenig von dem Pulver löste sich von der Wand und blieb an seinen Händen hängen, die nun auch leicht angeschwärzt waren, wie von Ruß. Vielleicht war es ja Ruß, auch wenn die Konsistenz des Pulvers ihm nicht wie Ruß vorkam. Er versuchte, das Pulver von seinen Händen zu wischen, was ihm aber nur teilweise gelang. Dafür hatte er jetzt auch schwarze Flecken an der Kleidung. Was aber nicht weiter schlimm war, schließlich ging man ja nicht gerade in seinen besten Sachen zur Tunnelerkundung.

Da sie hier ohnehin nichts nutzte, beschloss er, seine Taschenlampe vorübergehend auszuschalten, um Batterie zu sparen. Er tastete sich an der linken Wand entlang, aber da der Tunnel weiterhin schnurgerade verlief, und ihn das Entlangtasten doch sehr aufhielt, beschloss er, einfach geradeaus zu gehen, und dabei regelmäßig nach links und rechts zu fühlen, falls er eine Kurve ging, damit er die Wand bemerkte, bevor er gegen sie stoßen würde, und entsprechend seine Gehrichtung anpassen konnte.

Mittlerweile war das Eingangslicht nicht mehr zu sehen. Nun gut, er wusste ja, wie er zurückkam, es gab ja nur zwei Richtungen, weiter oder zurück. Er machte probeweise nochmal kurz seine Taschenlampe an, aber er konnte weiterhin nichts erkennen, also machte er sie wieder aus und ging weiter. Der Tunnel zog sich jetzt schon überraschend lange hin. Irgendwann musste er doch an dessen Ende kommen.

Plötzlich fiel ihm auf, dass er schon seit einer Weile keine Wand mehr berührt hatte. Hatte er es jetzt geschafft, so gerade zu gehen? Oder machte der Gang eine Kurve, die zufällig gerade der Kurve entsprach, die er beim Gehen machte? Er machte nochmal seine Taschenlampe an, aber um ihn war weiterhin nur undurchdringliche Schwärze, und so machte er die Lampe wieder aus und ging stattdessen etwas zur Seite, wo die Wand sein musste, nach der er dabei tastete. Aber er tastete ins Leere. Da war keine Wand! Der Gang musste wohl irgendwann in eine größere Höhle gemündet sein. Er weitete seine Suche etwas aus, aber da war einfach keine Wand zu finden!

Wie weit war er wohl schon in die Höhle gegangen? Wie groß war sie überhaupt? Die Taschenlampe war hier keine große Hilfe, also musste er sich anders behelfen. Wie lange war er jetzt schon seit der letzten Wandberührung gegangen? Zehn Minuten? Eine viertel Stunde? Eine Stunde? Er wusste es einfach nicht mehr; er hatte sein Zeitgefühl komplett verloren.

Wie spät war es überhaupt? Er machte nochmal seine Taschenlampe an, um auf die Uhr zu blicken. Nur um festzustellen, dass dieselbe stehengeblieben war. Offenbar war ausgerechnet hier drinnen die Batterie leer geworden. Die Uhr zeigte zehn Minuten nach elf, also war es jetzt mindestens so spät, wahrscheinlich später. Ein weiterer Hinweis war, dass sich sein Magen noch nicht gemeldet hatte, also war noch nicht Mittag. Da er etwa um neun Uhr losgegangen war, konnte er also insgesamt keine drei Stunden unterwegs gewesen sein. Das grenzte die momentane Zeit schon ein. Aber das half ihm auch nicht wirklich weiter bei der Frage, wie weit er sich vom ursprünglichen Tunnel entfernt hatte.

Ihm kam die Idee, die Größe der Höhle abzuschätzen, indem er in die Hände klatschte und aufs Echo hörte. Aber es kam kein Echo. Schluckte der Wandbelag etwa nicht nur das Licht, sondern auch den Schall? Jetzt erst wurde ihm bewusst, dass es den ganzen Weg über in der Tat ungewöhnlich still gewesen war. Seine Schritte hatten keinen Widerhall erzeugt.

Er überlegte, was jetzt zu tun sei. Das beste, dachte er sich, wäre wohl, zum Tunnel zurückzugehen. Aber in welche Richtung lag der Tunnel überhaupt? Er stellte fest, dass er komplett die Orientierung verloren hatte. Ein Kompass wäre jetzt gut, dachte er, immerhin wusste er, dass der Eingang Richtung Süden ging. Wenn er also nach Norden ginge, hätte er wohl eine gute Chance, den Tunnel wieder zu finden. Aber einen Kompass hatte er nicht mitgenommen. Er hatte gedacht, in einem Tunnel ist der ohnehin nutzlos.

Also blieb ihm nichts anderes übrig, als zu schätzen, aus welcher Richtung er wohl gekommen war, und dann in diese Richtung zu gehen, in der Hoffnung, so den Tunnel wieder zu finden. Also machte er sich auf den Weg. Nach einer gefühlten halben Ewigkeit traf er schließlich auf eine Wand vor ihm. Sie schien denselben pulvrigen Belag zu haben, wie vorher die Tunnelwände. Er leuchtete die Wand an. Sie warf wieder kein Licht zurück.

Na gut, jedenfalls hatte er jetzt eine Wand, das war schon mal ein Anfang. Wenn er immer nur an der Wand entlang ging, dann musste er ja früher oder später einen Ausgang finden; ob es dann auch der richtige war, das würde sich dann schon herausstellen. Jetzt war die nächste Frage erst mal, ob er der Wand nach links oder nach rechts folgen sollte. Er überlegte kurz, und entschied sich dann für links.

Nachdem er sich eine Weile an der Wand entlanggetastet hatte, bemerkte er plötzlich eine Ecke nach außen. War das der Tunnel? Vorsichtig, um nicht die Orientierung zu verlieren, folgte er dem Verlauf, den die Wand genommen hätte, und in der Tat war nur zwei Meter weiter die entgegengesetzte Ecke. Es war also wirklich ein Tunnel.

Diesmal beschloss er, immer im Kontakt mit der Wand zu bleiben, sicher war sicher. Auch die Tunnelwand war mit demselben pulvrigen Belag bedeckt. Wieder verlief der Tunnel völlig gerade; das war jedenfalls schon mal vielversprechend. Zwar hatte er sein eigentliches Ziel nicht erreicht, aber jetzt war ihm das wichtigste, erst mal herauszufinden. Er konnte ja einen weiteren Versuch machen.

Aber plötzlich stellte er fest, dass sich die Konsistenz der Wand geändert hatte. Sie war jetzt gar nicht mehr pulvrig, sondern fühlte sich nach Stein an. Auch die Akustik war nun so, wie man sie von einem Gang erwartete. Er schaltete seine Taschenlampe an und sah, dass die Wand nun gar nicht mehr schwarz war – abgesehen von den Handabdrücken, wo er sich gerade entlanggetastet hatte. Es handelte sich um eine gemauerte Granitwand. Damit war klar, dass er nicht im richtigen Tunnel war. Aber bevor er umkehrte, würde er auf jeden Fall erst einmal etwas essen.

Während er aß, kehrte seine Neugier zurück: Wohin dieser Gang wohl führte? Ein wenig konnte er ihm ja noch folgen, bevor er umkehrte. Vielleicht würde er ja sogar in diesem Gang finden, was er gesucht hatte. Es konnte sicher nicht schaden, nachzusehen.

Also folgte er dem Gang weiter, diesmal mit Taschenlampe. Nach etwa hundert Metern bemerkte er auf der linken Seite eine Abzweigung. Diese bestand nicht aus einem gemauerten Gang, sondern aus einer natürlichen Höhle. Vor allem aber war sie hell – sie musste also eine Verbindung nach draußen haben. Kurzentschlossen nahm er die Abzweigung, und tatsächlich, nach einigen Metern und ein paar kleineren Biegungen stand er im Freien. Der Höhleneingang war hinter einem kleinen Busch verborgen, aber als er hinter dem Busch hervortrat, sah er genau, wo er war. Da hatte sich die heutige Erkundung also doch noch gelohnt: Seinen nächsten Erkundungsgang würde er von hier aus vornehmen, da konnte er im Tunnel wenigstens sehen, wohin er ging.

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