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Rückweg

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Die Sonne näherte sich langsam, aber unaufhaltsam dem Horizont. Es war Zeit, umzukehren, damit er nicht in die Dunkelheit käme. Er warf noch einen letzten Blick auf den Turm, der immer noch viel zu weit entfernt vor ihm aufragte. Eigentlich hatte er diesen Turm erreichen wollen, denn von dort sollte es einen herrlichen Ausblick geben. Aber er hatte sich ziemlich verschätzt in der Zeit, die er brauchen würde. Nächste Woche würde er es wieder versuchen, beschloss er, aber dann würde er gleich am Morgen losgehen.

Jetzt aber war sein erstes Ziel, noch vor der Dunkelheit sein Feriendomizil wieder zu erreichen. Er zog sein Smartphone heraus und rief die Navi-App auf. Laut App sollte er für den Rückweg von hier aus rund zwei Stunden brauchen, aber laut App hätte er auch schon beim Turm sein sollen. Offenbar war die App für schnellere Wanderer geschrieben worden. Aber dennoch sollte die Zeit reichen, denn der Sonnenuntergang war erst in vier Stunden, wie ihm eine andere App versicherte. Sicherheitshalber ließ er die Navi-App offen und begann den Rückweg mit dem Handy in der Hand.

Den Rückweg zu finden war dank App nicht schwer. Sie war speziell für Wanderer geschrieben, und warnte nicht nur rechtzeitig, wenn eine Abzweigung zu erwarten war, sondern hatte sogar eine Augmented-Reality-Funktion: Hielt man die Kamera des Smartphones auf die Landschaft, dann zeichnete die App den korrekten Weg direkt ins Bild. Auf diese Weise gab es nie auch nur den geringsten Zweifel, welcher der richtige Weg war. Der Wanderkarte, die ihm im Hotel angeboten wurde, war das ganz klar überlegen. Sie wäre reine Geldverschwendung gewesen.

Etwa eine Stunde war er nun schon auf dem Rückweg, als es passierte: Als er wieder einmal den kontrollierte, noch auf dem richtigen Weg zu sein, wurde das Display plötzlich dunkel. Der Akku war leer. So was dummes aber auch. Vielleicht hätte er das Handy doch noch mal ans Ladegerät hängen sollen, bevor er losgegangen war. Nun gut, so ungefähr hatte er den Weg noch in Erinnerung, da würde er wohl auch so heimfinden.

Allerdings schon bald musste er feststellen, dass ihm die Gegend gar nicht mehr bekannt vorkam. War er wirklich am Hinweg hier lang gegangen? Oder hatte er irgendwo eine falsche Abzweigung genommen? Sollte er jetzt weiter gehen, in der Hoffnung, dass er auf den richtigen Weg war, oder doch lieber umkehren und solange weitergehen, bis ihm die Gegend wieder bekannt vorkam?

Wie spät war es eigentlich? Da er sein Handy auch als Uhr benutzte, konnte er nicht einfach nachsehen, denn der Akku war ja leer. Aber sein Schatten vor ihm sah schon bedenklich lang aus. Moment mal, wenn der Schatten vor ihm war, dann ging er gerade nach Osten, denn die Sonne ging ja bekanntlich im Westen unter. In welche Richtung hatte der Weg nochmal geführt? Er erinnerte sich, dass auf Karten links immer Westen sei, aber das nutzte ihm nichts, denn seine App drehte die Karte immer in Übereinstimmung mit der augenblicklichen Blickrichtung. Wenn man also nach Osten sah, dann war auf der Karte Osten oben, sah man hingegen nach Westen, dann war Westen oben. Das war äußerst praktisch, denn so musste man sich um Himmelsrichtungen nicht kümmern; oben war immer die Richtung, in die man ging. Nur jetzt war das nicht praktisch, denn dadurch wusste er jetzt nicht, in welche Richtung er gehen musste.

Er überlegte. Auf dem Hinweg, wo hatte die Sonne da noch mal gestanden? Er erinnerte sich, dass sie ihm schräg von links aufs Display geschienen war, was ihn geärgert hatte, weil dadurch das Display so schlecht erkennbar war. Das war so etwa um Mittag herum gewesen, die Sonne musste also im Süden gestanden haben. Demnach war er da nach Nordwesten gegangen, Jetzt musste er also nach Südosten gehen. Wenn er jetzt also gerade Richtung Osten ging, war er wohl gerade zu weit im Norden. Andererseits ging der Weg auch nicht ständig geradeaus, vielleicht ist er auch teilweise genau nach Westen gegangen. Dann wäre er möglicherweise jetzt doch richtig.

Er schaute auf den Weg vor sich. Etwa hundert Meter voraus zweigte ein Weg schräg rechts ab. Schräg rechts, das war Südost, also die richtige Richtung. Aber war das deshalb auch der richtige Weg? Egal, Hauptsache die Richtung stimmte.

Langsam begann es, dunkel zu werden. Damit würde die Sonne als Orientierungshilfe bald ausfallen. Aber stimmte seine Richtung überhaupt noch? Vielleicht war er ja schon viel zu weit im Osten, und müsste jetzt wieder etwas zurück gehen.

Vielleicht sollte er das Hotel anrufen. Ach nein, ging ja nicht, der Akku war ja leer. Aber irgendwann musste doch in dieser gottverlassenen Gegend wieder eine Siedlung kommen, da fand sich doch sicher auch eine Möglichkeit, von irgendwo anzurufen. Er konnte zwar die Landessprache nicht, aber mit seiner Übersetzungs-App … ach nein, die ging ohne Akku ja auch nicht. Aber eine Möglichkeit, den Akku wieder aufzuladen, sollte er dort wohl finden; das würde er wohl auch mit Zeichensprache hinbekommen.

Er blickte zurück. Hinter ihm ging gerade die Sonne unter. Es war der schönste Sonnenuntergang, den er je gesehen hatte. Zu schade, dass sein Akku leer war, das wäre ein prima Foto geworden.

Inzwischen war die Sonne untergegangen, und der Himmel wurde rasch dunkler. Der Weg war kaum noch zu sehen. Ganz automatisch griff er zu einem Handy, um die Taschenlampen-App aufzurufen. Aber nein, ohne Akku funktionierte ja auch die nicht. Nun ja, da musste wohl das Mondlicht ausreichen.

Er schaute sich am Himmel nach dem Mond um, aber er konnte ihn nicht finden. Hoffentlich war nicht gerade Neumond! Jedenfalls wollte er noch möglichst weit kommen, bevor er möglicherweise den Weg nicht mehr sehen konnte. Er richtete seinen Blick auf den immer schlechter sichtbaren Weg und lief los.

Jetzt konnte er den Weg gar nicht mehr erkennen. Am klaren Himmel über ihm strahlten die Sterne. Er hatte keine Ahnung gehabt, dass es so viele Sterne gab! Aber leider waren die Sterne nicht hell genug, um den Weg zu sehen. Er versuchte, den Weg vor sich mit den Füßen zu ertasten, aber sehr rasch merkte er, dass der Boden unter seinen Füßen nun weich war. Er war also schon vom Weg abgekommen. Jetzt hatte er überhaupt keine Ahnung mehr, wo er war. Es fiel ihm nichts besseres ein, als auf den neuen Tag zu warten. Hoffentlich gab es hier keine wilden Tiere! Er hätte jetzt gerne in der Wikipedia nachgesehen, aber ohne Akku ging das ja nicht. Nun ja, vermutlich hätte er hier ohnehin kein Netz gehabt.

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