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Nachtmensch

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Ratt schaute auf seine Uhr. Kurz vor fünf, Zeit, sich auf den Rückweg zu machen. Bald würde die Sonne aufgehen. Bis dann musste er auf jeden Fall wieder unten sein, dort, wo er vor dem Sonnenlicht geschützt war.

Die Sonne. Wie mochte sie wohl aussehen? Alte Schriften berichteten, sie sei hell und gelb, zu hell, um sie anzusehen. Andere Schriften berichteten von einer roten Sonne, die aus dem Meer stieg oder am Horizont versank. Was davon mochte wahr sein? Und ob die Sonne heute überhaupt noch so aussah wie damals, als sie noch ungefährlich war? Oder war sie schobn immer gefährlich, und die alten Überlieferungen waren nichts als Legenden?

Die Überlieferung berichtete, dass es früher einmal nur eine Art von Menschen gegeben hatte, die wie die Tagmenschen noch heute auf der Oberfläche der Erde gelebt hatten, aber wie die Nachtmenschen ausgesehen hatten. Aus dieser Zeit sollten auch die alten Schriften stammen. Beziehungsweise die Originalversionen derselben, denn seither waren sie schon viele Male abgeschrieben worden, und die Originale gab es längst nicht mehr. Wieviele Fehler oder sogar absichtliche Verfälschungen dabei wohl in die Texte eingebaut worden waren?

Jedenfalls musste es damals irgendwann eine Veränderung gegeben haben, die, so berichteten es die alten Schriften, vom Menschen ausgelöst wurden. Aber was da genau passiert war, wusste keiner. Zu viele Wörter, deren Bedeutung kein Mensch mehr kannte, standen in den alten Texten, die dieses Ereignis beschrieben. In den Übersetzungen wurden diese Passagen daher in der Regel einfach weggelassen. Jedenfalls wurde die Sonnenstrahlung mit der Zeit tödlich, und die Menschen sahen sich vor eine Wahl gestellt: Entweder veränderten sie sich so, dass sie der veränderten Sonnenstrahlung standhalten konnten, oder aber sie zogen sich unter die Erde zurück, wo die Sonne ihnen nichts anhaben konnte. Allerdings hatten die, die sich für die erste Alternative entschieden, einen hohen Preis zu zahlen: Ihre Haut wurde nicht nur widerstandsfähig, sondern auch vollkommen gefühllos. Zudem änderte sich dabei auch ihre Gestalt. Deshalb entschieden sich viele Menschen, lieber das Sonnenlicht für immer zu vermeiden. Diese wurden die Nachtmenschen genannt, weil sie nur des Nachts auf die Erdoberfläche hinaufsteigen konnten, und weil sie deshalb ihren Lebensrhythmus entsprechend einstellten. In der Dunkelheit unter der Erde machte es ohnehin keinen Unterschied, ob man nun am Tag oder in der Nacht wach war. Die Tagmenschen hingegen behielten den Lebensrhythmus der früheren Menschen bei, schliefen also in der Nacht und blieben am Tag wach.

Dieser Teil der alten Schriften war es, der Ratt als am unglaubwürdigsten erschien: Wie sollte es möglich sein, die Haut des Menschen so zu verändern? Die alten Schriften berichteten von Texten im Inneren des Körpers, die verändert wurden, aber soweit ihm bekannt war, hatte kein Arzt jemals im Körper eines Menschen einen Text gefunden. Viel wahrscheinlicher war es, dass es schon immer Tagmenschen und Nachtmenschen gegeben hatte. Er vermutete, dass diese Legende einer gemeinsamen Herkunft einfach dazu dienen sollte, um die Tag- und Nachtmenschen davon abzuhalten, sich gegenseitig zu bekämpfen – was sie trotzdem oft genug getan hatten. Dabei hatten die Tagmenschen nicht nur den Vorteil einer unemfpndlichen Haut, sondern hatten auch einen strategischen Vorteil: Sie mussten einen Nachtmenschen nur daran hindern, rechtzeitig die Erdoberfläche zu erreichen, und dann erledigte die Sonne den Rest.

Im Gegenzug hatten die Nachtmenschen das Erdinnere mit so komplexen Tunnelsystemen durchzogen, dass kein Tagmensch, der sich dort hineinwagte, eine Chance hatte, den eigentlichen Lebensraum der Nachtmenschen zu finden. Nur wer sich in den Tunnelsystemen auskannte, fand sich zurecht. In der Tat waren schon viele Tagmenschen, die sich in die Tiefe gewagt hatten, verhungert und verdurstet, weil sie den Ausweg nicht mehr gefunden hatten. Selbst die Verfolgung eines Nachtmenschen war zwecklos, denn jeder Nachtmensch lernte schon von Kindesbeinen an, wie man Verfolger in den Tunnelsystemen abhängte.

Ratt hatte den Eingang zur Unterwelt erreicht. Er trat in den Tunnel und ging zielstrebig auf einen Tunnel zu. Er brauchte kein Licht, denn als Nachtmensch hatte er gelernt, den Weg durch den Tunnel alleine anhand der Akustik zu finden. So konnte er auch sicher sein, dass ihm kein Tagmensch folgte, denn ein Tagmensch brauchte im Tunnel Licht. Ratt fragter sich, ob die Tagmenschen vielleicht auch schlechter hörten als die Nachtmenschen. Er jedenfalls hatte keine Probleme, alleine mit Hilfe seiner Ohren die Tunnel zu erkennen, und aufgrund seiner Erfahrung immer die richtigen Abzweigungen zu nehmen, bis er schließlich nach fast einer Stunde einen schwachen Lichtschein ausmachte. Jetzt war er gleich daheim. Er beschleunigte seinen Schritt, als das Licht heller wurde. Schließlich kam er in der mit Fackeln hell erleuchteten Höhle an.

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