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Himmelsleiter

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Der Himmel wird von einem Himmelsleiter geleitet. Das müsste dann wohl Gott sein. Aber wer weiß, vielleicht ist ja Gott nur der Besitzer des Himmels und überlässt die Leitung jemand anderem? Vielleicht einem der Erzengel oder einem Apostel.

Jedenfalls ist die Leitung des Himmels vermutlich kein himmlischer Job. Das heißt, er ist natürlich im Wortsinne himmlisch, nämlich den Himmel betreffend. Aber eben wahrscheinlich nicht himmlisch in dem Sinn, in dem das Wort üblicherweise verwendet wird. Es ist sicher kein angenehmer Job. So muss ständig für die Neuzugänge neuer Wohnraum gefunden werden, und die Menschen haben sich ja so stark vermehrt, seit der Himmel geschaffen wurde, da ist die himmlische Verwaltung bestimmt überfordert.

Andererseits, wenn man sich die Welt so ansieht, dann kommen die meisten Menschen wohl ohnehin nicht in den Himmel. Vielleicht ist das ja der wahre Grund, warum Gott auf der Welt so viele schlimme Dinge zulässt: Ganz einfach, damit der Himmel nicht so übervölkert wird. Das wäre natürlich keine besonders christliche Einstellung, aber Gott ist ja auch kein Christ, wer hätte ihn schließlich taufen sollen.

Aber dennoch ist die Verwaltung des Himmels vermutlich die Hölle. Wahrscheinlich auch wörtlich: In der Hölle werden die Menschen nicht mit Feuer und Schwefel gequält. Nein, sie werden mit Bürokratie gequält! Wer also zu Lebzeiten kein guter Mensch war, darf dann bis in alle Ewigkeit für die Verwaltung des Himmels Formulare ausfüllen und sich durch ungeheuer komplexe himmlische Vorschriften quälen. Und damit ist auch klar, welchem Engel dieses Amt anvertraut wurde: Dem gefallenen Engel, auch bekannt als Teufel.

Aber bekanntlich zwingen Verwaltungen auch denen, die von ihnen verwaltet werden, ihre Bürokratie auf, und deshalb nützt es auch nicht viel, wenn man in den Himmel kommt. Denn die Verwaltungshölle sorgt schon dafür, dass es im Himmel nicht himmlisch zugeht. Schon das Aufnahmeverfahren in den Himmel dauert vermutlich eine Ewigkeit und erfordert einen Formularkrieg, gegen den alle irdischen Verwaltungsakte harmlos sind. Die Vorstellung, dass man einfach ans Himmelstor klopft, und wenn man ein guter Mensch war, lässt Petrus einen hinein, ist komplett naiv. Am Himmelstor erhält man erst einmal ein hundertvierundvierzigseitiges Formular für den Antrag auf Aufnahme in den Himmel. Außerdem gibt es noch ein Formular für die Aufnahme ins Übergangslager "Fegefeuer". Das ist zwingend erforderlich, weil das Ausfüllen des Aufnahmeformulars in den Himmels so lange dauert, und irgendwo muss man ja in der Zwischenzeit untergebracht werden. Glücklicherweise ist das Formular fürs Fegefeuer nur fünf Seiten lang.

Im Fegefeuer herrschen hohe Temperaturen. Aber entgegen des Namens ist das kein Feuer, das würde ja auch die ganzen Formulare verbrennen. Nein, es ist einfach nur unerträglich heiß. Außerdem ist es ziemlich beengt. Aber immerhin gibt es dort genügend Tische und genügend Schreibmaterial, um das hundertvierundvierzigseitige Aufnahmeantragsformular für den Himmel auszufüllen.

Im Aufnahmeformular müssen unter anderem alle guten und schlechten Taten, die man in seinem Leben begangen hat, sorgfältig aufgelistet werden. Zwar ist der Himmelsverwaltung diese Liste ohnehin bekannt, aber so funktionieren Verwaltungen eben. Es ist von äußerster Wichtigkeit, diese Liste korrekt und komplett aufzustellen, denn gute Taten werden nur dann gewertet, wenn sie in diesem Formular aufgelistet ist, während jede im Formular nicht vermerkte schlechte Tat bei der Entscheidung über den Antrag doppelt gewichtet wird. Die meisten Menschen brauchen für diese Liste bereits ein paar Jahrhunderte.

Wenn das Aufnahmeformular ausgefüllt ist, muss es beim himmlischen Einwanderungsamt eingereicht werden. Dann muss man erst einmal warten. Nachfragen über den Stand des Verfahrens empfehlen sich nicht, da sie das Verfahren in der Regel noch weiter verzögern, oder auch zu einer Ablehnung des Antrags führen können. Diese beiden Optionen schließen sich gegenseitig nicht aus.

Wenn der Antrag negativ beschieden wird, kann man noch einen Einspruch einlegen. Natürlich ist das Verfahren genauso bürokratisch und langwierig wie das ursprüngliche Antragsverfahren. Und wenn auch der Einspruch nach einer Ewigkeit schließlich abgelehnt wird, dann kommt man in die Hölle, also in die Verwaltung.

Aber auch, wenn die Aufnahme in den Himmel genehmigt wurde, hat man die Bürokratie nicht etwa hinter sich. Man muss dann immer noch Anträge auf Wohn-Wolken stellen, Anträge auf Manna-Zuteilung, und regelmäßige Rechenschaftsberichte über das vorschriftsgemäße Harfenspiel. Verglichen mit der Hölle, also der himmlischen Verwaltung, ist das aber immer noch der Himmel.

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