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Einauge

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Einauge hat nur ein Auge, ist also einäugig. Der Einäugige ist bekanntlich unter den Blinden König. Aber wenn Einauge ein Auge zudrücken würde, dann würde er nichts mehr sehen, wäre also ebenfalls blind, und somit kein König mehr. Daher drückt er niemals ein Auge zu. Er ist ein strenger Herrscher.

Da Einauge, aus erwähntem Grund, niemals ein Auge zumacht, ist er stets unausgeschafen und daher übellaunig. Auch aus diesem Grund zeigt er keinerlei Anzeichen von Milde. Kurz, er ist ein harter, und entsprechend auch ein unbeliebter König. Aber er ist dennoch König, weil er eben ein Auge hat.

Mit nur einem Auge kann man Entfernungen schlechter abschätzen, denn mit nur einem Auge kann man ja nicht stereosehen. Deshalb meidet Einauge größere Räume. Er sitzt in einem kleinen Thronsaal, eigentlich eher eine Thronkammer, die er nie verlässt.

Als König wohnt Einauge natürlich in einem großen, repräsentativen Schloss, aber außer dem kleinen Thronsaal nutzt er selbst es nicht. Der Rest des Schlosses wird nur von Bediensteten bevölkert. Worüber diese ganz froh sind, denn so bekommt Einauge sie selten zu Gesicht. Das Schloss verlassen tut Einauge schon gar nicht, denn vor der Weite des Horizonts fürchtet er sich mehr als vor fast allem anderen.

Das einzige, vor dem er sich noch mehr fürchtet, ist die Dunkelheit. Denn in der Dunkelheit ist sein Auge nutzlos, er sieht dann auch nicht mehr als die Blinden, deren König er ist, und dessen König er im Dunkeln eben nicht mehr ist. Daher achtet er peinlichst genau darauf, dass der Thronsaal immer gut ausgeleuchtet ist. Das ist ja, angesichts dessen Kleinheit, auch nicht sehr aufwendig. Zwei Fackeln sind mehr als genug, um den Raum zu erhellen, und um ganz sicher zu gehen, brennen immer noch ein paar Kerzen und ein kleines Öllämpchen. Letzteres gibt zwar selbst kaum Licht, dafür aber brennt es länger als alle anderen Lichtquellen und vermittelt Einauge daher ein Gefühl von Sicherheit.

Wenngleich Einauge also selbst niemals sein Land zu Gesicht bekommt, reicht sein Arm weit. Zumal ja seine Untertanen das Land auch nie zu Gesicht bekommen, nicht weil sie sich davor fürchten oder es meiden, sondern weil sie ja, wie erwähnt, blind sind.

Einauge hat noch eine weitere Angst: Es könnte in seinem Land jemand mit funktionierenden Augen geboren werden. Auch das würde seine Macht in Frage stellen. Daher hat er ein Gesetz erlassen, dass allen Neugeborenen sofort die Augen ausgestochen werden. Damit ist sichergestellt, dass auch seine neuen Untertanen blind sind.

In einem entfernten Winkel seines Reiches wurde aber gestern heimlich ein Junge geboren, dessen Mutter ihn vor dieser grausamen Prozedur schützen wollte. Der Junge hat zwei gesunde Augen, aber niemand weiß davon. Sie wird ihn lehren, sich wie ein Blinder zu benehmen, so dass er nicht auffällt. Niemand wird etwas bemerken, denn die Blinden können ja nicht sehen, dass er Augen hat, und Einauge wird ihn nie zu Gesicht bekommen, bis er eines Tages bereit sein wird, den König zu stürzen.

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