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KS 111 Bearbeitungen seit 8. April 2006

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Benutzer:KS/Rohtexte

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Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Texte mit und für die "be Ton werker"

[Bearbeiten] Wer sind "wir", eine Selbstdarstellung

Wikifizierung eines Textentwurfes von und mit M. Haufe


Die    ‚be   Ton  werker’

Beschreibung:

Eine Gruppe von Autoren versammelt sich regelmäßig am Helmholtzplatz im Cafe "Jenseits (von Gut und Böse)" und trägt dort unterschiedliche Texte vor. Es werden nahezu alle Formen von Dichtung entworfen. Von der skurril absurden Short Story bis zur impressionistisch lyrischen Wortakrobatik stottern – flüstern – brüllen(!!) - lesen die be Ton werker ihre Konzentrate den Hörern entgegen. Prinzipiell verneinen Sie die Angst, ins Fettnäpfchen zu treten. So maßen sich einzelne Mitglieder dieser Künstlergruppe an (von wem auch immer) installierte Dogmen und Vorstellungen neu zu überprüfen. Andere recherchieren das Alltagsleben und beobachten mit verschmitztem Perfektionismus Details, die in ihrer Addition ein Mosaik von merkwürdigen Selbstverständlichkeiten entwerfen. Auch die paradoxe Einsamkeit des Stadtmenschen in der manchmal frei gewählten Zwangsanonymität wird in altberliner Tradition thematisiert.

Den Autoren geht es dabei auch um Tuchfühlung mit dem sonst nicht - oder inzwischen auch nicht mehr - an Literatur interessiertem Publikum.

Die Freiheit der Individualität verbunden mit dem Problem der zunehmenden Separatisierung von Einzelstimmen – dies ist der Nährboden, auf dem jene Geräusche wachsen, die von den be Ton werkern abgelauscht und in Sprache vertont werden wollen. Ebenso nutzen verschiedene Musiker diese kleine Kneipenbühne, um einige Stücke (meist noch unverfälschte Rohware) unmittelbar am Hörer zu erproben.

Autoren:

Stine Klang, Axel Philipp, Rolf Gänsrich, Dave Csaszar, Michael Haufe, Nikolas Czech

Ziel:

Ausgehend von der Erkenntnis, daß Genialität in der Normalität erwächst, versuchen diese sehr unterschiedlichen Autoren das Verhältnis zwischen Kunst und simpler Eigentlichkeit ständig neu zu betonen. Realität und Kunst, beides hat etwas mit Gefühl, mit Betonung und mit Phantasie zu tun. Durch Dichtung und Musik neue Einblicke und Sichtweisen auf die Wirklichkeit zu ermöglichen, das wäre vielleicht der kleinste gemeinsame Nenner dieser hartnäckigen Künstlergruppe.



[Bearbeiten] Lyrische Texte mit Format

Die Trichter

~ # ~

Zwei   Trichter   wandeln   durch   die   Nacht.

Durch ihres Rumpfs verengten Schacht
fließt   weißes   Mondlicht
still   und   heiter
auf    ihren
Waldweg
u.s.

w.
 ~ 
Zwei   Trichter   wandeln   durch   die   Nacht.

Durch ihres Rumpfs verengten Schacht
fließt   weißes   Mondlicht
still   und   heiter
auf    ihren
Waldweg
u.s.

w.

Christian Morgenstern

[Bearbeiten] Experimente

[Bearbeiten] BaumStein

Beim BaumStein handelt es sich nicht um den "Stein der Weisen" [ich persönlich bin zwar ziemlich einsam, weigere mich aber, das substantivierte Attribut 'weise' als singuläre Instanz zu verwenden - also wennschon, gibt es nur D i e Weisen und nicht D e n)]! Der BaumStein ist ein Experiment. Genauer gesagt, handelt es sich um mehrere Experimente - u.a. geht es um Dopplung = ein etwas brachialer Begriff für den Vorgang des Addierens von nichtidentischen (und doch in ihren, natürlich wieder einmal, relativen Mengen) Klassen. Es geht um Klassifizieren und Differenzieren. Es geht um Identität und Negation. Es geht um eine Neuauflage des Universalienstreits, und zwar derart, daß dieser Streit nicht abgleitet, in 'übermäßige Belanglosigkeiten' [ein schönes Paradox oder?]. Was haben Baum und Stein gemeinsam? 1. Beide werden in der dt. Sprache maskulin, singulär verwendet. 2. Ihnen werden sehr oft gemeinsame Eigenschaften beispw. fest, schön, alt, glatt-rau, warm-kalt, schwer zugeschrieben. [Man beachte die Bedeutung des Tastsinnes bei der Bewertung!] 3. Sowohl 'Stein' als auch 'Baum' sind alte Begleiter von uns Menschen. Es sind archaische Begriffe. Das Attribut 'alt' wird bei Beiden gern(!) ja, wirklich gern(!!)verwendet. 4. Es gibt nicht wenige Attribute, die sowohl für beide Termini Verwendung finden und andererseits werden gerade in dieser Klasse viele Unterschiede zwischen ihnen markiert. (Hier sind z.B. fast alle Farben vertreten: Es gibt 'silberne', 'blaue', 'gelbe', 'rote' Steine und Bäume. Aber auch schöne oder häßliche, große oder kleine, harte und weiche, klingende und nicht angenehm klingende usw.)

Es gibt sehr viele Dopplungsmöglichkeiten. Und es gibt substanzielle Verbindungen - Summen aus der Addition von verschiedenen Qualitäten! Das Addieren von offensichtlich nichtidentischen Klassen - es gibt so viele unterschiedliche Sorten und Arten von Steinen und Bäumen)- läßt zum Beispiel ein Haus entstehen: Das Haus aus Baum und Stein. Interessanter Weise lassen sich sowohl Bäume (noch bevor sie zu Holz verwandelt worden) durch das Hinzufügen von Steinen so präparieren, daß ein Haus im Sinne von 'Heim' entsteht. Umgekehrt, wenn auch etwas schwieriger zu bewerkstelligen, können Steine durch das Pflanzen, Umsetzen, Wachsen von Bäumen eine Art von Geschlossenheit erhalten. Beides als Material kann wechselseitig bearbeitet werden. Die Verbindungen "SteinBaum" oder "BaumStein" bleiben maskulin. Und auch dies ist interessant: Als sogenannte reale Objekte haben sie kein Geschlecht! Aber in der Welt der Begriffe besitzt faktisch jedes Substantiv im Singular ein Geschlecht. Diese Angelegenheit erscheint mir ausergewöhnlich bedeutsam: Daß wir für alle Dinge (Phänomene), von denen wir wissen, daß sie real exitieren und denen wir [tatsächlich] Realität zuschreiben einen B e G r i f f haben, der einerseits die Realität dieses Dinges bzw. Objekts erst begründet, und der andererseits das dahintersteckende Ding bzw. Objekt verändert bzw. über das Selbige lügt! Bäume und Steine sind weder (m),(w) oder (s). Auch sind sie weder hart noch bunt. Erst wir, erst unsere Begriffe schreiben ihnen Eigenschaften zu.

An dieser Stelle halte ich es für angemessen, 'meine' Philosophie kurz vorzustellen, ohne zu erwarten, daß diese kritiklos angenommen wird. Haufes Phliosophie: Jede, aller bestehenden oder möglichen Wirklichkeit(en) wird erst durch die Verwendung und das Entwickeln von B e g r i f f e n realisiert! Ohne Begriffe existierte keine Realität! Keiner (noch nicht einmal ich) - noch nicht einmal wir alle, könnten wirklich von Realität, von Existenz, von S e i n reden=sprechen, geschweige dies(e)+(es) behaupten, wenn w i r (d.h. mindestens 2 Subjekte - die nebenbei gesagt beinahe, aber niemals zu 100%, identisch sein dürfen) keine Begriffe dafür gefunden hätten, bzw. wenn wir uns nicht auf Begriffe dafür geeinigt hätten. Ist es nicht bedenklich, daß wir die Begriffe unserer Altvorderen einfach übernehmen, sie gleichsam mit der Muttermilch oder Babynahrung in uns aufnehmen? Übernehmen wir nicht so die Ansichten über Realität? Läßt sich daraus nicht schließen, daß jegliche Realität immer nur ein kulturelles Produkt von miteinander sprechenden Wesen ist? Ich behaupte, daß durch diesen Prozeß einer jeder Mensch erst seine W i r k l i c h k e i t, seine Familie, seine Mitmenschen, seine Tiere und seine Geister und Götter erzeugt! Daraus sollte aber nicht der falsche Schluß gezogen werden, nämlich daß irgendetwas oder irgendwer nicht existierte. Wir sind es, die Ethik-(Ketten), Natur-(Gesetze) und Kultur-(schranken) krähieren! Deshalb fällt es uns auch so schwer, diese Realität zu hinterfragen - darum fühlt sich jeder unwohl oder gar angegriffen, wenn diese vermeintlich - aber doch nur duch Begriffe strukturierte, reale Wirklichkeit in Frage (zur Disposition) gestellt wird. Aber hätten wir mit dieser Philosophie nicht auch die Möglichkeit, uns ganz neue, wirklich gerechte und doch zugleich phantastische Welten auszudenken? Was könnten wir nicht Alles realisieren, wenn wir nur die 'richtigen' Begriffe fänden? Welche Befreiung der Produktiv=Kreativkräfte würde diese Einsicht bewirken können? Welche Auswirkungen und Konsequenzen bezüglich der Frage, des "Glücklichen Zusammenlebens von Menschen" hätte diese These, wenn sie sich bewahrheiten sollte?

Nebenbei gesagt, ich kenne kaum eine Utopie (also eine durch Begriffe imaginierte Wirklichkeit) die nicht irgendwann Realität geworden wäre, vorausgesetzt, daß sie überhaupt von irgend jemand wahr genommen wurde.

Der Unterschied zwischen "SteinBaum" und "BaumStein" mag nur haarfein sein - dennoch passten in diesen Spalt ganze Welten...--wehem 00:25, 17. Jul. 2007 (UTC)